Ich habe mich viele Jahre auf einer spirituellen Suche befunden. Im tibetischen Meditationszentrum, im Christentum, den Gnostikern, in der jüdischen Mystik, den Yogis und den Sufis.
Immer wieder bin ich an eine Grenze gekommen, die meine letzte Frage unbeantwortet ließ. Zu dieser Zeit löste sich in meinem Leben im Außen alles auf.
Dann kam der erste Traum:
Im Bus saß mir jemand gegenüber und als ich ihm in die Augen schaute,da war niemand, keine Person, ich fiel in einen unendlich dunklen Raum ohne Begrenzungen. Ich bin damals voller Angst zu meinem Homöopathen gesaust, der sehr wohlwollend lächelte und mir vermittelte, dass ich ja nun Bescheid wüßte. Mein Verstand hatte allerdings nicht den geringsten Schimmer.
Der zweite Traum kam und ich sah ein Labyrinth mit einem großen Kreis in der Mitte. Ich hörte im Traum, dass ich alle Wege des Labyrinthes gegangen sei und es nun an der Zeit wäre, mich in dieses Loch fallen zu lassen. Zeit nach Hause zu kommen, deine Suche ist zu Ende, du bist angekommen. Ich habe mich so nackt gefühlt wie noch niemals zuvor.
Ich begann nachzugeben und mich diesem Prozess hinzugeben.
Während dieses Prozesses taucht immer wieder mal der "spirituelle Anteil" auf, der auf die Suche gehen will, der nur das Schöne und Angenehme zulassen möchte oder der meint, es komme auf ihn an, er müsse sich anstrengen, anstatt dem Leben so zu begegnen, wie es sich Jetzt, in diesem Moment zeigt und genau das anzunehmen, was da ist. Ohne wenn und aber und ohne etwas damit machen zu müssen und zu können.
Damit ist nicht gemeint, dass spirituelle Praxis nicht ihren Platz hat aber wenn sie eine rigide und starre Form annimmt, Mittel zum Zweck wird, dann darf ich zwei Mal hinschauen.
Oft steckt meiner Erfahrung nach hinter einem bewertenden spirituellen Anteil einfach noch ein menschlicher Aspekt, der auf diese Weise Unangenehmes im Leben vermeiden will oder sich so eine Identität erschafft. Der Verstand ist trickreich.
Gangaji schreibt in ihrem Buch "Der Diamant in ihrer Tasche"
Zitat:
"...es ist eine art von faschismus-von spirituellem faschismus-nur glückseligkeit erleben zu wollen. glückseligkeit ist ein angenehmes gefühl, das dich erhebt, während verzweiflung ein sehr unangenehmes gefühl ist, das du gerne loswerden möchtest. diese neigung begünstigt einen totalitären standpunkt, sowohl materiell als auch spirituell. bist du bereit, die verzweiflung, die du so hasst und wegdrängst, in dein herz einzulassen?"
Dasein bedeutet für mich, mich finden lassen. Eine Findende zu sein, was auch immer es ist, was da gefunden werden will.Ohne Plan.


